Monday
27.04.
18:00

Martin Endreß: Das Geheimnis des Vertrauens

Unter den sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen der Moderne wird seit der Frühen Neuzeit die Erosion traditioneller Garantien für soziale Stabilität sichtbar und erfahrbar. Die Erfahrung von Differenz und Konkurrenz und damit von Kontingenz führt zu der Einsicht in die Gefährdungen, die aus der zunehmenden, Unsicherheiten hervorbringenden Komplexität sozialer Beziehungen resultieren. Damit geht die Gewissheit einher, in wachsendem Maße selbst für das eigene Handeln und dessen Erfolg verantwortlich zu sein.Weiterlesen
Unter den sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Bedingungen der Moderne wird seit der Frühen Neuzeit die Erosion traditioneller Garantien für soziale Stabilität sichtbar und erfahrbar. Die Erfahrung von Differenz und Konkurrenz und damit von Kontingenz führt zu der Einsicht in die Gefährdungen, die aus der zunehmenden, Unsicherheiten hervorbringenden Komplexität sozialer Beziehungen resultieren. Damit geht die Gewissheit einher, in wachsendem Maße selbst für das eigene Handeln und dessen Erfolg verantwortlich zu sein. Die normativen Anstrengungen des 17. und 18. Jahrhunderts – etwa im Bereich von Recht und Moral, aber auch in Pädagogik, Ökonomie, bei der Herausbildung sozialer Institutionen sowie bei der Etablierung verlässlicher Wissensordnungen – lassen sich als Versuche verstehen, diesen Unsicherheiten zu begegnen. Als eine soziale Schlüsselkategorie erweist sich dabei das Vertrauen: jenes Einverständnis, das Handeln unter Bedingungen von Unsicherheit erst ermöglicht. Vertrauen fungiert als ein "Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität" (N. Luhmann) und wird bereits in der Frühneuzeit ausdrücklich reflektiert, nicht zuletzt in zeitgenössischen Nachschlagewerken wie denen von Walch oder Zedler. Vertrauen ist dabei keine rein individuelle Haltung, sondern wird durch soziale Übereinkünfte und institutionelle Arrangements - etwa Versprechen, Eide oder andere Verfahren der Verlässlichkeitssicherung - erzeugt, stabilisiert oder auch begrenzt. Zugleich bildet es eine zentrale Voraussetzung ökonomischen Handelns, das auf Kredit, Reputation und Zukunftserwartungen angewiesen ist. Eine besondere Rolle spielt Vertrauen zudem im religiösen Feld. In frömmigkeitsgeschichtlicher und theologischer Perspektive prägt es das Verhältnis der Gläubigen zu ihren Geistlichen, etwa in der Beichte, in der fiducia sowohl personales Vertrauen als auch Gottvertrauen bezeichnet. Ein Vortrag von Prof. Dr. Martin Endreß von der Universität Trier Weniger lesen
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Veranstaltungsort:
Franckesche Stiftungen, Haus 54, Christian-Thomasius-Zimmer
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