Premiere: Klippenspringer 6: Verzweiflungen
Mit »Klippenspringer 6 – Verzweiflungen« zeigt das Schauspielstudio Halle seine letzte Arbeit im Fach Künstlerisches Wort. In der Regie des erfahrenen Sprechchorleiters Bernd Freytag entsteht aus Texten von Heike Geißler ein vielstimmiges Sprechkunstwerk zwischen chorischer Lesung und szenischer Versuchsanordnung. Ausgangspunkt ist Geißlers Essayband »Verzweiflungen«, der individuelle Erschöpfung und gesellschaftliche Zumutungen in eine präzise, eindringliche Sprache fasst.Weiterlesen
Mit »Klippenspringer 6 – Verzweiflungen« zeigt das Schauspielstudio Halle seine letzte Arbeit im Fach Künstlerisches Wort. In der Regie des erfahrenen Sprechchorleiters Bernd Freytag entsteht aus Texten von Heike Geißler ein vielstimmiges Sprechkunstwerk zwischen chorischer Lesung und szenischer Versuchsanordnung. Ausgangspunkt ist Geißlers Essayband »Verzweiflungen«, der individuelle Erschöpfung und gesellschaftliche Zumutungen in eine präzise, eindringliche Sprache fasst. Die Texte bewegen sich zwischen Wut, Zorn und Widerstand und fragen danach, wie sich in einer als krisenhaft empfundenen Gegenwart überhaupt noch sprechen lässt:
»Das konnte ja niemand wissen, dass mir die gesamte Weltlage/ in die Quere kommt. (…) Ich habe das Aussortieren/ nie gelernt, nur das Aufheben/ in und für/ Mangelzeiten, und ich habe meinen Kindern/ das Aufheben beigebracht, sodass sie das Werk /meiner Mutter und mein Werk/ fortsetzen können und später auch ihre Kinder/ und noch später/ deren Kinder usw. Wobei ich natürlich davon ausgehe, dass ein Taifun/ von Krieg/ und ein Berserker von Krieg oder kriegsähnlichem Zustand/ sich nähert.
Wie man also verzweifelt? Die Verzweiflung ist ein Kraftakt, der auch still ausgetragen werden kann. Die Verzweiflung, sie ist ein Festakt. (…)« – Heike Geissler (aus der Spielfassung).
Die Inszenierung setzt auf ein kollektives Sprechen: Stimmen treten zusammen, lösen sich wieder, formieren sich neu. Im Zentrum steht das Verhältnis von Individuum und Gruppe – und die Frage, wie sich Verzweiflung mitteilen, teilen und vielleicht auch verwandeln lässt. Der Raum bleibt bewusst reduziert, das Publikum ist nah am Geschehen und Teil einer konzentrierten, fast hörspielartigen Situation.
»Klippenspringer« ist eine Reihe des Schauspielstudios Halle, in der Studierende der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig Einblicke in ihre künstlerische Ausbildung
geben – zwischen Monolog, Szene und experimentellen Formaten.
Bernd Freytag ist als Spieler von den chorischen Arbeiten Einar Schleefs geprägt und hat langjährig Chöre bei Regiearbeiten von Volker Lösch geleitet. Als Dozent bildet er auch an der UDK Berlin und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin Theaternachwuchs aus.