Margarete Heymann-Loebenstein und die HAËL-Werkstätten für künstlerische Keramik
Keramikdesign für die Avantgarde – Vortrag von Erhard Gerwien (Berlin)
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Sie zählt zu den wichtigsten Gestalterinnen der 1920er Jahre: Margarete Heymann (1899–1990). Nach dem Studium in Köln und Düsseldorf sowie einem kurzen Intermezzo am Bauhaus in Weimar (Vorkurs bei Johannes Itten) erhielt sie im April 1920 die Zulassung für ein Probesemester bei Gerhard Marcks in der Keramischen Werkstatt in Dornburg/Saale. Kurz nach der Eheschließung mit Gustav Loebenstein im Sommer 1923 wurden mit familiärer Unterstützung in Marwitz bei Velten (Mark) die HAËL-Werkstätten für künstlerische Keramik G. m. b. H. gegründet. Mit ihren Entwürfen im Spannungsfeld zwischen Sachlichkeit, Funktionalität und Avantgarde hat sie die Designgeschichte der Keramik der Moderne wesentlich geprägt. Produkte aus den HAËL-Werkstätten wurden weltweit verbreitet und erfreuten sich größter Beliebtheit. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 veränderte sich die persönliche Situation von Margarete Heymann-Loebenstein. Als Jüdin wurde sie von ihrer eigenen Belegschaft offen antisemitisch angefeindet. Ihre Lebenssituation wurde immer bedrohlicher. 1933 erfolgte die Stilllegung des Betriebs und der Versuch, ihn zu einem marktgerechten Preis zu verkaufen. 1934 erwarb ihn Heinrich Schild, NSDAP-Mitglied und ranghoher Handwerksfunktionär, zu einem Preis weit unter Wert. 1936 emigrierte Margarete Heymann-Loebenstein nach England. Dort setzte sie ihr keramisches Werk fort. Später widmete sie sich zunehmend der Malerei.
Anlässlich ihres Geburtstages, der sich am 10. August zum 126. Mal jährt, wird der Berliner Sammler Erhard Gerwien einen facettenreichen Überblick über das Leben, die Familie und vor allem das avantgardistische Werk dieser bedeutenden Keramikerin bieten.
Gleichzeitig präsentiert das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) die neueste Schenkung einer Schale der HAËL-Werkstätten, die nicht nur von Margarete Heymann entworfen wurde, sondern sich auch auf dem Gemälde „Stillleben mit Tulpen“ von Edith Dettmann (1898–1987) in der Sammlung des Museums befindet.
Weniger lesennur am 07.08.2025